Jugendliebe - oder: Ick werd bekloppt!

Das versteh mal einer! Da gibt es Wochen (ja, sogar Monate) da schreibe ich gar nichts und dann gibt es Tage, da könnte ich am liebsten jede Stunde etwas neues bloggen. Heute ist so ein Tag.

Ich gehe den unsagbaren Haufen digitaler Fotos auf meinem Laptop durch. Ein bisschen in Erinnerungen schwelgen. Da sehe ich ein Bild von 2007 von einer sehr guten Freundin. Dick grinsend. Ich lache und schicke es ihr gleich rüber. Wie jung wir mal waren!

Auch die anderen Fotos sind einfach zum Wegschmeissen. Also nicht die Fotos, sondern ich bin zum Wegschmeissen, wenn ich sie sehe. (Hm... Soll ich während des Wegschmeissens mal das „m“ vergessen??? *lach* Pupsie pfui!)

Ich erreiche den Ordner „Pineda de Mar“. Ferienlager in Spanien, ich glaube 2004, bin mir da aber nicht ganz sicher. Vielleicht auch 2005... Dort in dem Ordner gibt es jedenfalls ganze 8 Fotos in unglaublich schlechter Qualität. Auf den zwei Gemeinschaftsfotos erkennt man eigentlich nur sich selbst und das auch nur, weil man weiss, wo man stand und was für Klamotten man trug. Der Rest ist ein einziges Bündel aus verwaschenen Pixeln. Ich muss damals Ende 15, fast schon 16 gewesen sein.

Foto 1 und 2: die komplette Truppe.

Foto 3: Ach, wie nett. Ein Gruppenfo... Ui!

In diesem Moment verfalle ich in eine Art Freeeeeeze und starre ein Gesicht auf dem „Gruppenfo...“ an. Ich starre und starre und starre. Das gibt’s doch nicht! Gott, sieht er guuuuuuuuuuuuuuuuuuuut aus!!! Wie ein Vollmilchschokoladenjunge mit Zartbitterhaaren auf dem Kopf! Original so! Eine wunderbar braune Haut und die dunklen Haare dazu! Das ist er! Der erste Junge, in den ich mich so richtig hin und weg und raus und rein verguckt und verschossen habe! Ich starre weiterhin.

 

-->EXKURS [wer nicht lange um den heissen Brei lesen will, möge diesen überspringen und zum Ende scrollen. Allen anderen viel Spass bei dem Bericht vom Ferienlager]

In Spanien in einem 2-wöchigem Camp, in dem zum Essensappell immer laut Seeed mit „What you deserve is what you get“ und dessen fette Sirene gespielt wird. Jeden Tag.

Und er ist ja sooo cool! Er macht immer verbotene Sachen. Nachts übern Zaun vom Platz klettern oder heimlich rauchen und so. Man, messerscharf! (Damals war das total bombastisch. Einfach unvorstellbar!) Ich habe sogar die Ehre mit ihm zu zweit durch Pineda zu laufen! Hach, klopft mein Herzchen aber! Klein Tim ist sogar eigentlich ganz lieb, obwohl er so cool ist! Meistens sind die Jungs ja wirklich Arschis, sobald sie cool sind. Er aber irgendwie nicht. Ich müsste lügen, aber ich glaube, dass er sogar ein oder zwei Jahre jünger ist als ich. Aber das macht nichts.

Und dann kommt die doofe Nina mit ihren echt grossen Hupen! Sie ist grösser und älter als er und als ich und knutscht alles und jeden ab. Ihn anscheinend ganz besonders. Ich hätte ihr am Liebsten ihre Eumelliesen genommen, in ihre Ohren reingesteckt und alles, was noch raushängen würde in ihre Schnute geschoben!

Wie soll ich denn da eine Chance haben? Ich kleines Mauerblümchen von damals? Ach, was sage ich? Mauerblümchen ist ja regelrecht untertrieben. Mauerblümchen versteckt in einer tiefen Höhle. Ich graue Maus eingepackt in zwei Extralagen Winterfell. Ich zu 100% ausstrahlungsfreier Teenie! Ach ist das gemein!

Ich muss mich also geschlagen geben. Mit ihrem Charme, besonders in Form zwei so mächtiger, schlagender Argumente, kann ich nicht mithalten.

Ich bin mit einer Freundin von damals dorthin gefahren. Witzigerweise sind noch zwei andere Mädels aus unserer Klasse da. Die eine kann ich ja gerade so ertragen, aber die andere ist ein echtes Schand- und Lästermaul. Schon auf der Bustour nach Spanien hat sie ununterbrochen über jeden einzelnen aus der Klasse gemeckert. Die schwarzen Fingernägel von sowieso und das Aussehen von dem und dem. Mir ging das voll gegen den Strich und ich habe mich die ganze Busfahrt nicht auf ihr Niveau herab gelassen, um toll mitreden zu können. Ich war also still, während sie idiotisch lästerte. Irgendwann mitten in Frankreich dreht sie sich zu mir: „Alles klar bei dir? Du bist so ruhig.“ Hm, da ist ihr wohl aufgefallen, dass ich mich nicht in ihre Gesprächsthemen einklinke. In der 5./6. Klasse war sie meine beste Freundin, aber als sie anfing so über andere zu reden und selbst mich für dumm verkaufen wollte... Nein danke.

Aber zurück zu dem Schokoladenbubi!

Der Oberhammer kommt in einer Nacht. Ich schlafe bereits. Das ist so schön! Wir ziehen immer unsere Schlafsäcke aus den Zelten und liegen unter freiem Himmel. Warm genug ist es ja alle Male! Einfach... himmlisch im wahrsten Sinne des Wortes.

Plötzlich wache ich auf. Ich weiss gar nicht warum, weil ich schon fest irgendwo im Traumland war. Ich weiss bis heute nicht, ob es Zufall war oder ob ich wach geworden bin, weil... meine Freundin, mit der ich die ganze Fahrt geplant hatte (also die gute!) mit Tim redet... über mich! Da fällt mein Name und die Frage, wie er mich finden würde. Was die Frage sollte, weiss ich nicht. Verkupplungsversuch? Neugierde? Jedenfalls ist sie definitiv nicht böse gemeint. Mein Herz pocht. Er würde ihr gleich antworten. Sie denken ja, ich schlafe schon... Und was antwortete Klein Tim?

„Ganz okay. Nett.“

Ganz okay? Nett? Na toll! Meisterklasse! Wach ich mitten in der Nacht auf und das erste, was ich höre: er findet mich... ganz okayyyyyy, nätt! Hätte er nicht sagen können, „Wenn ich könnte, würde ich braungebrannter Junge sie auf einem weissen Ross am Strand von Pineda entlang tragen und ihr Lieder singen. Und ich würde aufhören zu rauchen“????

Da bin ich nun schon fast jede Nacht gestorben, weil Nina ihre Monsterboobys mit Ausschnitt bis zum Boden trägt und nun das! Aber als ob das nicht ausreichen würde, um klein Kuhschubserlie traurig zu machen...

„Naja, sie hats nicht ganz leicht“... WTF!

Fängt meine Freundin plötzlich an von Dingen zu reden. Von Dingen, die niemanden etwas angehen. Von Dingen, die nicht in die Welt herausgetragen werden sollen. Dinge über mich. Dinge, die ich für mich behalten möchte! Dinge, die nur ICH jemandem erzähle, wenn ich es möchte, aber kein anderer! Auch nicht sie! Die Dinge, die mich zu der kleinen Schildkröte gemacht haben, die sich wortwörtlich ihren Schutzpanzer überstreift, um sich dahinter vor der Welt zu verstecken.

Sie sagt im Grunde nichts Böses über mich. Aber dennoch bin ich so enttäuscht, dass sie etwas so Privates preisgibt. Mein medizinisches Problem hat nichts in einem Gespräch zwischen ihr und jemand anderem zu suchen! Am wenigsten zwischen ihr und Tim.

Spanien war so schön bis zu dieser Nacht. So wunderbar! Ich habe zum grossen Teil Abstand von dem Gedanken nehmen können, dass sich mein Leben um orthopädische Massnahmen dreht, dass ich 24 Stunden am Tag immer an die gleiche Sache erinnert wurde, dass ich 24 Stunden am Tag meinen schützenden Harnisch trug, dass ich mich 24 Stunden am Tag wie eine schlechter Witz der Natur gefühlt habe. Wenn Spanien vorbei geht, würde es wieder so gehen. Dann würde mein Urlaub, meine Pause, meine Auszeit vorbei sein.

Tsü! Mir doch egal, was Tim denkt und was sie erzählt! Dafür hat Manu mich massiert und am letzten Abend habe ich mit Max getanzt! <--

 

Ich starre also auf das Foto. Dann halte ich mir den Mund zu, als ob ich irgendetwas Schlimmes sehen würde. Aber eigentlich sehe ich ja nichts auf dem Foto. Jedoch wird mir klar, dass es in der ersten ernstzunehmenden Geschichte aus meiner Feder schlappe VIERUNDNEUNZIG Seiten um einen braungebrannten, dunkelhaarigen, coolen, aber netten jungen Mann geht. A4-Seiten Schriftgrösse 11 wohlbemerkt.

Und als wäre das nicht genug... Ich zeichne selten. Wirklich sehr selten. Irgendwann 2008 oder 2009 habe ich doch dieses eine... Das muss ich erst einmal rauskramen. Ich durchwühle meine Zeichenmappe, die ja nun nicht sonderlich voll ist und da ist es. Eine Bleistiftzeichnung von einem schnieken Kerl. Nicht perfekt, weil ich nicht sonderlich gut zeichnen kann, aber gut genug. Gut genug um zu erkennen, dass das männliche Wesen auf dem Bild und auf dem Foto die gleichen dunklen Haare, die gleiche Frisur, die gleiche Nase, den gleichen Mund, die gleiche dunkle Haut haben. Wenn ich das Bild umdrehe und gegen das Licht halte (also spiegelverkehrt), dann hat die Figur sogar den gleichen Gesichtsausdruck, wie der Junge auf dem Foto.

Also das ist wirklich... gruselig. Ich weiss gerade nicht so recht, was ich davon halten soll. Also entweder hatte er nur Glück und hat voll in mein süsse-Jungs-Schema gepasst oder ich habe es wegen ihm erst entwickelt. Ich weiss nicht, was zuerst da war: Huhn oder Ei? Er oder mein Schema?

 

Ich glaube wirklich, dass er heute bestimmt richtig... handsome geworden ist. Würde mich ja schon interessieren, was aus ihm geworden ist. Vielleicht raucht er ja auch nicht mehr *grübel*

Vollmilschokoladenjunge mit Zartbitterhaaren, wenn du das hier liest, ich bins! Die kleine... ganz Nette aus Pineda. Und ich habe nur auf dich gewartet! Ich bin doch noch immer unsterblich in dich verliebt!

*hust*

Ob ich diese Anzeige in seiner Stadt schalten sollte? Haha. Naja, ich gehe jetzt erst einmal schlafen und träume von einer Menge Schokojungs. Hihi. Gleich ganz viele auf einmal! Höhö! Und alle Ninas werden nicht reingelassen. *kicherkicher*

Ach, mir geht’s ja eigentlich wirklich gut ;o)

 

 

16.7.11 01:47

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Rainer / Website (16.7.11 06:05)
geile Geschichte von dir


Kuhschu (17.7.11 00:18)
Freut mich, dass dir mein Jugendliebeleid gefällt *lach* Aber ganz ehrlich: es motiviert immer wieder erneut, ein kleines Feedback zu bekommen. Dankeeee!

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